"Lächeln im Gesicht" - Vom Landesmusikfest NRW in Schmallenberg

Das Tambourcorps Fredeburg beim Festzug

(© Dietmar Anlauf)

Schmallenberg, 27. bis 30. April 2018 ? Der Anfang dieser ereignisreichen Tage hing buchstäblich in den Wolken. Das Regionalprogramm des WDR-Fernsehens wollte live vom Serenadenkonzert vor der Schmallenberger Stadthalle berichten. Live und unter freien Himmel beinhaltet allerdings immer ein Risiko namens Wetter. Das war so launisch, wie es ein 26. April verspricht. Der schönste Sonnenschein wechselte sich mit kurzen, aber heftigen Schauern ab. So überlegten die Organisatoren des Landesmusikfestes um Andreas Schulte (Arnsberg) gegen Mittag kurz, ob sich unter diesen Voraussetzungen eine solche Veranstaltung überhaupt durchführen ließe. Nun hörte sich die Rede von einem halb vollen Glas schon immer besser an als die von einem halb leeren.
So verzichteten sie auf eine Absage, und sollten für diesen Mut belohnt werden. Der WDR kam nach Schmallenberg, und es kam wie erhofft. Wenige Minuten vor Beginn der Liveübertragung im Regionalfenster aus Siegen verzogen sich die Regenwolken. Damit stand dem Konzert unserer Schmallenberger Musikvereine nichts mehr im Wege. Ulf Priester moderierte die Liveübertragung, die von Musik und kurzen Interviews geprägt wurde. Bis in den frühen Abend hinein war anschließend vor der Stadthalle noch die Musik der Schmallenberger Musikvereine zu hören. Ein zwar meteorologisch wechselhafter, aber ansonsten vielversprechender Auftakt für die kommenden Tage.

"Schöne Musikgenüsse"
Offiziell begann das Landesmusikfest nämlich erst am nachfolgenden Freitag. Es stand ein Festakt und ein Konzertabend in der Stadthalle auf dem Programm. Am Nachmittag hatten die Stadt Schmallenberg zusammen mit dem Landesverband zu einem kleinen Empfang eingeladen. Bernhard Halbe nutzte die Gelegenheit, um allen Beteiligten "für die zielgerichtete Zusammenarbeit" zu danken. Zudem brachte der Schmallenberger Bürgermeister seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die spürbare Begeisterung auf alle Teilnehmer des Landesmusikfestes übertragen werde. Diese Hoffnung sollte sich in den drei kommenden Tagen bewahrheiten. Der Präsident des Volksmusikerbundes NRW, Paul Schulte, und der Ehrenpräsident des Verbandes, Jochen Westermann, dankten im Namen Verbandes für die vielfältige Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Landesmusikfestes. So Bürgermeister Bernhard Halbe, Karl Schneider als Landrat des Hochsauerlandkreises und den Schützenvereinen aus Schmallenberg und Umgebung. Zudem, so Westermann, habe das Organisationsteam des Kreisverbandes Hochsauerland "hervorragend gearbeitet."
Auf dem anschließenden Festakt traf Klaus Kaiser zweifellos den richtigen Ton. Volksmusik leiste "einen Beitrag für die kulturelle Bildung in Nordrhein-Westfalen", so der Parlamentarische Staatssekretär im Düsseldorfer Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Anschließend erklärte Präsident Schulte das Landesmusikfest für eröffnet. Ab diesen Zeitpunkt stand das im Mittelpunkt, was Kaiser als "schöne Musikgenüsse" beschrieb. Es wurde nicht zu viel versprochen, wie schon das anschließende Konzert mit den Sauerland Winds und dem Landesspielleute-Korps NRW deutlich machte. Für das Jugendorchester des Kreisverbandes Hochsauerland bedeutete es gleichzeitig die Teilnahme am Wertungsspiel. Sie hatten unter der Leitung von Mathias Pfläging einen furiosen Auftritt. Die Jury bewertete diese Vorstellung später als "hervorragend."

"What a wonderful world"
In gleicher Weise vermochte das Landesspielleute-Korps NRW zu begeistern. Das war umso beeindruckender, weil kurz vor dem Konzert der musikalische Leiter aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Die Redaktion nutzt die Gelegenheit, um Henner Schumann gute Besserung zu wünschen. Seine Stellvertreterin Irene Mönter wusste ihn souverän zu ersetzen. Ernst-Willi Schulte und Frank Bott zeichneten zudem als verantwortliche Landesmusikdirektoren die Preisträger des Kompositionswettbewerbes aus. Zwei Kompositionen erlebten im Rahmen dieses Festaktes ihre Uraufführung, Christian Wiedemanns "Der verwunschene Bach" und "Drachenflug" von Tobias Lempfer.
So entsprach dieser Auftakt dem, was Kaiser in seiner Festansprache so formulierte: "Künstlerische Qualität als Kennzeichen für das Nordrhein-Westfalen." Das sollte sich nicht zuletzt am Samstag beweisen als mehr als 140 Musikvereine zum Wertungsspiel antraten. Es war an den zahlreichen Bühnen jene Vielfalt zu erleben, die diesen Verband so einzigartig macht. Was damit gemeint ist, ließ sich etwa in der Realschule Bad Fredeburg erleben. Dort traten in unmittelbarer Folge zuerst das Seniorenorchester Havixbeck auf, anschließend ein Jugendorchester der Musikschule Albachten. Beide waren mit Leidenschaft bei der Sache, die alten Hasen genauso wie die Jugendlichen bei ihren ersten musikalischen Gehversuchen. Allein für solche Erfahrungen hat sich ein Besuch des Landesmusikfestes gelohnt. So wechselten sich an diesem Samstag Wertungsspiele mit Platzkonzerten ab. Jeder konnte für seinen Geschmack das Richtige finden.
Der Samstag hatte aber am Abend noch etwas Besonderes zu bieten. Die Big Band der Bundeswehr gastierte vor über tausend Besuchern in der Schmallenberger Stadthalle. Bandleader Timor Oliver Chadik hatte ein mitreißendes Programm im Angebot. Vom klassischen Jazz bis zur zeitgenössischen Popmusik. Von Bert Kaempfert bis Prince. Mit dessen "Purple rain" endete schließlich ein Konzertabend, der bei allen Zuschauern einen unvergesslichen Eindruck hinterließ. Jemand, der die Big Band schon oft gehört hatte, hielt dieses Konzert sogar für einen ihrer besten Auftritte. Oder um ein Stück von Louis Armstrong zu zitieren, dass an diesem Abend ebenfalls zu hören war: "What a wonderful world."

Kinder kamen auch auf Ihre Kosten ? Musikus war zu Besuch
Am Samstag und am Sonntag boten die Landesmusikjugend NRW und die Kreismusikjugend Hochsauerlandkreis ein abwechslungsreiches und buntes Kinderprogramm an. Vom Kinderschminken über Zauberkünstler bis hin zu einem Konzert von Reinhard wurde vieles geboten. Auch der Musikus begrüßte die Kinder und war ein begehrtes Fotomotiv.

"Wer ist für das Wetter verantwortlich?"
Am Sonntag ging es dann zwar bisweilen musikalisch rustikaler zu, nicht zuletzt wegen der famosen "Blechblos'n" vor der Schmallenberger Stadthalle. Der Tag begann aber mit einem Gottesdienst in der Winterberger Bobbahn. Musikalisch wurde er von vierzig Alphörnern gestaltet. Im Rahmen des Landesmusikfest hatte der Volksmusikerbund NRW ein Alphorn-Seminar veranstaltet. Dieses jährliche Seminar ist mittlerweile zur guten Tradition geworden. So war dieses in unseren Breiten bisweilen immer noch exotisch anmutende Instrument für viele Gottesdienstbesucher sicherlich eine besondere Erfahrung. Pfarrer Norbert Lipinski gestaltete den Gottesdienst. Gegen Ende versprach er noch "mit dem Veranstalter zu reden, wer für das Wetter verantwortlich ist." Der war unschuldig, wie aus zuverlässigen Quellen zu erfahren war. Aber selbst der strömende Regen konnte dem Reiz und der Würde dieses Gottesdienstes mit 250 Besuchern nichts anhaben.
Das Wetter war zwar durchaus ein Unsicherheitsfaktor, wie sich ja schon am Donnerstag gezeigt hatte. Nur blieb der sonntägliche Festumzug davon zum Glück weitgehend verschont. Mehr als zweitausend Teilnehmer zogen durch Schmallenberg. Mit der musikalischen Begleitung zahlreicher Musikvereine wurde der Umzug vor vielen tausend Besuchern zu einem bunten Spektakel mit vielen Höhepunkten. Der Umzug endete schließlich auf dem Festplatz vor der Schmallenberger Stadthalle. Er habe "den Platz vor dem Stadthalle noch nie so voll gesehen", so formulierte es ein Vertreter der Schmallenberger Schützengesellschaft. Dort verkündeten schließlich die beiden Landesmusikdirektoren die Wertungsspielergebnisse. So konnten sich die Spielleute für die Deutsche Meisterschaft in Osnabrück qualifizieren. Mit "guten Erfolg" hat der Spielmannszug St. Josef Dreis-Tiefenbach teilgenommen. Deren Stabführer Gisbert Wagener war kurz vor dem Landesmusikfest überraschend mit 57 Jahren gestorben. So widmeten die Musiker aus Dreis-Tiefenbach den Erfolg ihrem Stabführer. Auch solche Geschichten gehören zu einem Landesmusikfest: Mit Musik seine Trauer zu verarbeiten. So endete der Festumzug zwar am Sonntag. Das Landesmusikfest hatte aber mit dem Konzert von "Vlado Kumpan und seinen Musikanten" am Montagabend noch einen weiteren Höhepunkt zu bieten. Doch Bürgermeister Bernhard Halbe konnte schon am Sonntag sein Fazit zu diesem Landesmusikfest ziehen. Er wäre "sehr zufrieden", und das mit einem "Lächeln im Gesicht." Besser kann man das nicht zusammenfassen: Unser Landesmusikfest 2018 in Schmallenberg.

Weitere Informationen sowie der Ergebnisse der Wertungsspielergebnisse finden Sie unter www.landesmusikfest.nrw
(Frank Lübberding9


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